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Redaktionelle Presseartikel, in denen Interessantes, Schauriges und Kurioses aus Oschatz oder von Oschatzern berichtet wurde  hat Grit Jähn gesammelt und „Oschatz-damals“ zur Verfügung gestellt. Sie finden diese Zeitungsausschnitte auch bei „facebook“ unter „Oschatz gefällt uns“ – aber es ist ja nicht jeder bei facebook angemeldet.

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9. Februar 1923: Dresdner Neueste Nachrichten




Kirchenraub
Mügeln b. Oschatz 7. Februar
Einbrecher raubten aus der Kirche in Naundorf die metallenen Christusfiguren von den Kruzifixen, ein versilbertes Taufbecken und eine Gedenktafel aus Zinn.


9. Juli 1924: Wiener Journal

(Er lebt noch.) Der Bureaukratismus. diese spezifisch deutsche Einrichtung, ist von den Behörden schon oft totgesagt worden. Aber leider hört man immer wieder, daß er sein Haupt noch aus dem Sarge steckt. Er ist anscheinend nicht totzukriegen. In Strehla (Sachsen) erhielt dieser Tage ein Handwerksmeister von der Reichsbanknebenstelle Oschatz die Papiere der von ihm im Jahre 1922 gezeichneten Zwangsanleihe in Höhe von 10.000 Mark = 1 Millionstel Goldpfennig) zugesandt. Der Meister mußte für die kostbare Sendung, die als portopflichtige Dienstsache befördert worden war, 40 Goldpfennig, also 400 Milliarden Papiermark, zahlen.


Juli 1925: Das Oschatzer Land

Heimatfest Oschatz 1926
Unter sehr starker Beteiligung der gesamten Bürgerschaft, der verschiedensten Organisa-tionen, von nahezu 100 Vereinen, der Schulen und Behörden der Stadt, sowie der auswärtigen Oschatzer Landsmannschaften ist unlängst in öffentlicher Sitzung beschlossen wurden, nach 20jähriger Pause im Sommer nächsten Jahres ein großes Heimatfest mit Festumzug, Ausstellung, Führungen durch die altertümliche Stadt und die Umgegend, Vergnügungspark abzuhalten, Die Ausschüsse sind bereits in Tätigkeit. Den Vorsitz hat der Erste Bürgermeister Dr, Sieblist übernommen Alle Anfragen, Anre-gungen, Wünsche und Geldspenden an den Stadtrat erbeten.
Der Presseausschuss hat bereits getagt und sich durch Zuwahl einiger Herren ergänzt. Der Presseausschuss beabsichtigt außer der nötigen Reklame die Herausgabe eines Plakates, von Reklamemarken und Postkarten und eines Festbuches – die Geschäftsstelle für das Heimatfest wird im Rathaus Zimmer 11 errichtet.


20. Oktober 1925: Oschatzer Tageblatt

Verschiebung des Heimatfestes.
Die Ablehnung der Garantiesumme für das Heimatfest von seiten der Stadtverordneten schuf eine völlig neue Situation; denn mit dem Vorhandensein oder Fehlen einer finanziellen Grundlage steht oder fällt das Heimatfest. Die Ausschüsse für die Vorbereitung desselben waren alle gebildet worden und hatten schon ansehnliche Arbeit geleistet. Ihre Tätigkeit geriet ins Stocken, als man sah, dass die Hauptvoraussetzung nicht sicher stand. Nachdem nun die finanzielle Sicherstellung von seiten der Stadt abgelehnt worden ist, erhebt sich die Frage, ob trotz dieses Misserfolges das Heimatfest doch noch abgehalten werden sollte. Dazu nahm nun gestern abend der Hauptausschuss in einer Sitzung im Hotel „Weißes Ross“ Stellung. Von der Landsmannschaft der Oschatzer in Dresden war Herr Richter erschienen. Der Vorsitzende, Herr Stadtrat Haacke, berichtete noch einmal zusammenfassend über die Vorbereitungen und den gegenwärtigen Stand und die Stellung der verschiedenen Berufsklassen, den ablehnenden Beschluss des Stadtverordnetenkollegiums und stellte dann die Frage zur Aussprache. Es traten nur zwei Herren für die Abhaltung des Heimatfestes ein: Herr Richter-Dresden, welcher der herben Enttäuschung der Landsmannschaft Ausdruck gab, Bedenken zu zerstreuen versuchte und einen Finanzierungs-vorschlag machte. Herr Studienrat Ulrich brachte einen bis ins Einzelne ausgearbeiteten Finanzierungsplan zum Vortrag und suchte auch seinerseits die gemachten Einwände zu entkräften. Demgegenüber verhielten sich nun alle übrigen Mitglieder des Hauptausschusses ablehnend. Die Vorsitzenden der einzelnen Ausschüsse berichteten übereinstimmend, daß ihre Mitglieder nach Ablehnung der Garantiesumme die Abhaltung des Heimat-festes nicht für angebracht halten. Die Vorsitzenden der Schutzgemeinschaft für Handel und Gewerbe, Herr Kaufmann Bonitz für den Handel und Herr Schneiderobermeister Haacke für das Handwerk, wiesen auf den Beschluss der Schutzgemeinschaft hin, nach welchem der kaufmännische und gewerbliche Mittelstand bei Abseitsstehen der anderen Berufskreise und mangelnder finanzieller Sicherung durch die Stadt nicht gewillt ist, das finanzielle Risiko allein auf sich zu nehmen. Herr Haacke hat nochmals mit den Industriellen und der Arbeiterschaft Rück-sprache genommen. Von ersteren ist überzeugend die schwierige wirtschaftliche Lage nochmals dargelegt worden, die ein Absehen von der Teilnahme am Feste notwendig mache. Auch bei der Arbeiterschaft fand er keine Gegenliebe. Beide Herren waren der Ansicht, daß bei der tiefgehenden Zerrissenheit, welche die Oschatzer Einwohnerschaft gegenwärtig aufweist, ein schönes Fest nicht zu erzielen sei. Dem Gedanken des Heimatfestes entspreche es nur, wenn alle Kreise der Einwohnerschaft sich daran beteiligen. Man müsse es vermeiden, den Auswärtigen schließlich ein übles Bild von Oschatz zu bieten. Es sei zu hoffen, daß diese Einstellung sich ändere und in absehbarer Zeit auch unsere wirtschaftlichen Verhältnisse sich bessern. Darum sei eine Verschiebung des Festes zu empfehlen, etwa so lange, daß ein 25jähriger Abstand vom letzten Feste sich ergebe. Alle Sprecher erkannten das Bemühen von Herrn Studienrat Ulrich an, das Fest doch zustande zu bringen; der möglichen Verwirklichung seines Finanzierungsplanes steht man jedoch durchaus skeptisch gegenüber. Man glaubt nicht, dass sich auch nur annähernd der angenommene Bruchteil zu den bestimmten Leistungen bequemen würde, der Vorschlag, der Gesamtheit der Festveranstalter die Rechtsform eines eingetragenen Vereins zu geben, sah man für beachtlich an, ohne aber zu einem Beschluss zu kommen. Ebenso-wenig wurde ein bestimmter Beschluss über den Abbau gefasst. Die Abstimmung ergab, daß der Hauptausschuss gegen zwei Stimmen beschloss, von der Veranstaltung eines Heimatfestes im Jahre 1926 abzusehen und empfahl,



Quelle: Stadtarchiv Oschatz



17. April 1927: Wiener Journal



(Protest eines Majors gegen die Stadt-Vertreter.) Aus Oschatz (Sachsen) wird berichtet: Im Oschatzer „Gemeinnützigen" veröffentlicht Major a. D. v. Plate eine Zuschrift, in der es unter anderm heißt: „Gelegentlich der letzten Versammlung der Vereinigung der Offiziere des ehemaligen ersten Königlich sächsischen Ulanenregiments Nr. 17 wurde uns die Stellung der Mehrheit der Stadtverordneten von Oschatz zu der Platzfrage für die Aufstellung eines Denkmals zu Ehren des mehr als fünfzig Jahre in Oschatz gelegenen Regiments bekannt ­gegeben. Ich bin gewiß, daß heute noch von dem weitaus größten Teil der Bürger in Anhänglichkeit und Achtung des alten Regiments gedacht wird. Wenn nun die Mehrheit der Stadtverordneten nicht nur der Ausstellung eines Denkmals den größten Widerstand entgegensetzt, sondern, wie berichtet wurde, sich solche Leute auch noch in gehässigster und widerwärtigster Weise über das Regiment geäußert haben, so zeigt das wob! deutlich, daß in Oschatz, wie an so manchen Stellen, heute in der Stadtvertretung Leute sitzen, die mit dem alten Oschatzer Bürgertum kaum noch in Verbindung gebracht werden können. Blinder Partei- und Klassenhaß und gewissenlose Verhetzung haben auch hier jedes Gefühl der Achtung vor der Vergangenheit und für die Wahrung der Rechte Andersdenkender zerstört. Wird durch das Verhalten solcher Stadtverordneter die Aufstellung eines Ulanendenkmals unmöglich — und das ist es nach meinem persönlichen Empfinden —, dann darf die Stadt Oschatz wohl den traurigen Ruhm für sich in Anspruch nehmen, die einzige Garnison in Deutschland zu sein, die ihr ehemaliges Regiment entehren und vergessen will!"



4. August 1928: Salzburger Chronik



Die Leipziger Erdbebenwarte wird verlegt.
Bei der Lage der Erdbebenware innerhalb der Stadt, inmitten des Universitätsviertels wird ihre hochempfindliche Apparatur von den durch den Verkehr entstehenden Erschütterungen stark beeinflußt. Als der Leiter der Warte, Prof. Weikmann, eine Berufung an die Hamburger Seewarte erhielt, machte er die Verlegung der Erdbebenwarte in freies Gelände zur Bedingung für sein ferneres Verbleiben in Leipzig. Seinem Ersuchen wird entsprochen und im nächsten Frühjahr mit den Arbeiten zur Errichtung der Erdbebenwarte auf dem 300 Meter hohen Collmberg bei Oschnitz gegonnen werden.



12. August 1928: Wiener Zeitung

Die amerikanische Luftflotte.
Washington, 11. August. Gestern erfolgte durch Unterstaatssekretär ROBINSON die Eröffnung von zehn Angeboten, welche auf die Ausschreibung des Marineministeriums für die Pläne und den Bau zweier lenkbarer Luftschiffe des starren Systems von je 6 1/2 Kubikfuß eingegangen waren. Darunter befanden sich drei deutsche Planangebote, und zwar von Max Kasterer aus Apolda, Gustav Wilhelm Hagermann in Oschatz und der Firma Schütte in Berlin.

[der Oschatzer hieß lt. Einwohnerbüchern jedoch Hagemann. Er war Ingenieur und wohnte 1922 in der Altoschatzer Straße 24, 1931 und 1937 in der Dresdner Str. 14.]



28. Dezember 1928: Riesaer Tageblatt und Anzeiger

 

Oschatz
Die Turmuhr des Rathauses wird zur Zeit durch die Fa. Ernst Lehmann hier gereinigt und zum Zwecke späterer Elektrifizierung umgearbeitet.



1. Oktober 1929: Salzburger Chronik



Die Finanznot der sächsischen Städte.

Der erste Bürgermeister der Stadt Oschatz hat eine Eingabe an den sächsischen Gemeindetag gerichtet, worin er darauf hinweist, daß eine große Anzahl sächsischer Städte in kürzester Zeit vor dem Zusammenbruche stehen. 65 Städte mit 45.000 bis 130.000 Einwohner schließen das Rechnungsjahr 1928 mit, nur drei Städte ohne engedecktes Defizit ab.




6. Dezember 1929: Tages-Post

 



Der Mörder Tetzner in Straßburg verhaftet.
Von seiner Frau des Mordes beschuldigt.

Leipzig. 5. Dezember. Nach einer bei der Kriminalpolizei eingegangenen Drahtmeldung ist der in Leipzig wohnende Kaufmann Tetzner, der bei Regensburg angeblich in seinem Auto verbrannt ist, Mittwoch nach mittags in Straßburg im Elsaß verhaftet worden. Frau Tetzner, die durch die Leipziger Kriminalpolizei verhaftet wurde, hat gestanden, daß ihr Mann einen Unbekannten ermordet und mit dem Kraftwagen verbrannt hat. Er wollte dadurch den Anschein erwecken, als ob er selbst verunglückt sei, um auf diese Weise seine Frau in den Genuß einer Unfallsversicherung zu bringen, die er vor etwa vier Wochen in der Höhe von 142 000 Mark abgeschlossen hatte. Frau Tetzner wird nach Regensburg überführt werden. Gegen Tetzner wird bei der französischen Regierung das Auslieferungsverfahren beantragt werden.
Tetzner geständig. — Seine Frau die Anstifterin.
Die Leipziger Kriminalpolizei teilt heute, Donnerstag, folgendes mit: Tetzner ist in vollem Umfange geständig, den Mord am! 27. November verübt zu haben, ebenso den l Mordversuch am 21. November an einem Handwerksburschen. Er beschuldigt seine Frau der Anstiftung. Tetzners Ueberführung nach Regensburg wurde bereits angeordnet.
Durch ein Ferngespräch verraten.

Leipzig, 5. Dezerrber. Tetzners Spur wurde durch den Leipziger Regierungsrat v. Criegern im Flugzeug verfolgt. Er verriet seinen Aufenthaltsort, nämlich Straßburg, dadurch, daß er von dort aus mit seiner Frau ein Ferngespräch führte. Dadurch war es möglich, ihn sofort auszuforschen und seine Verfolgung aufzunehmen.
Erster Gewinn an dem Tod der Schwiegermutter.
Leipzig, 5. Dezember. Der Vertreter Kurt Erich Tetzner genoß in Oschatz, wo er früher wohnte, nicht den besten Leumund. Er hätte dort das Zentralcafe von seiner Schwiegermutter, einer Frau Georgi, gepachtet und mit seiner Frau bewirtschaftet. Nachdem die Verdachtsmomente des Mordes und Versicherungsbetruges in Oschatz bekannt wurden, erinnerte man sich besonderer Umstände: Seine Schwiegermutter war nämlich längere Zeit krank und hatte die Absicht, sich operieren zu lassen. Tetzner redete sie aber davon ab, scheinbar deshalb, well sie nicht gegen Todesfall versichert war. Er überredete schließlich seine Schwie­germutter, dies zu tun, und zwar gegen 10.000 Mark. Erst nachher ließ er es zu, daß Frau Georgi operiert wurde. Drei Tage nach der Operation starb Frau Georgi und Tetzner nahm die Versicherungssumme in der Höhe von 10.000 Mark in Empfang. Das Zentralcafé ging auf seinen Namen über. Frau Tetzner fiel in ihrer äußeren Erscheinung gegen ihren immer eleganten Mann ab: sie ist etwa 22. Jahre alt. Aufgefallen ist, daß das Ehepaar in Leipzig, wohin es aus Oschatz übersiedelte, mit einer ganz neuen Wohnungseinrichtung einzog. Sie hatten zur Anschaffung derselben die Versicherungssumme der im Mai verstorbenen Schwiegermutter verwendet. Das Ehepaar lebte ganz sich für sich, Besuche kamen nur selten.



7. Dezember 1929: Freie Stimmen





Der Versicherungsmord im Auto
A. Leipzig, 6. Dezember. Zu der Mordsache Tetzner teilt die Leipziger Kriminalpolizei mit: Tetzner ist in vollem Umfang geständig, den Mord am 27. November verübt zu haben, ebenso den Mordversuch am 21. November an einem Handwerksburschen. Er beschuldigt seine Frau der Anstiftung. Jetzt tauchen Vermutungen auf, daß Tetzner auch am Tode seiner Schwiegerutter, der Frau Georgi, die ein Kaffeehaus in Oschatz betrieb, schuldtragend sei. Er hat ihr geraten, sich gegen 10.000 Mark versichern zu lassen. Dann ließ sich die Frau operieren und starb nach drei Tagen. Tetzner wurde schon damals in Oschatz deshalb schief angesehen und übersiedelte nach Leipzig. Nun will man auch diesen Fall nachgehen.


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