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Die Felder bestehen theils aus den ursprünglichen alten Stadtfeldern, theils aus den, nach dem Hussiten Kriege hinzugekommenen und an jene angrenzenden, neuen Feldern der in jenem Kriege verwüsteten Dörfer Blumberg, Cunersdorf, Neußlitz, Zschöllau und Gorau. Die Felder betragen zusammen 85 9/16 Hufen und würden im J. 1790 nach einem gerichtlichen Aufsatze mit 792 Schffel, 6 Metzen Korn; 27 Scheffel, 6 Metzen Weitzen; 596 Scheffel, 14 Metzen Gerste; 251 Scheffel, 10 Metzen Hafer; 27 Scheffel, 8 Metzen Erbsen und 227 Scheffel, 4 Metzen Wicken besäet. Sie werden in drei Arten eingetheilet, doch bleibt im Sommer keine Brache für die Huthung des Zug- und Zuchtviehes liegen, welches auf die gemeinschaftliche Viehweide getrieben wird. Die Hufen haben 8990¾ volle, 7697 11/12 gangbare, 748 decremente, 544 5/6 moderirte Schocke, und 26 Thaler 13 Gr. 2 1/12 Pf. Quatember-Beitrag. Der Boden der Felder besteht nach dem von Liebenroth 1) angestellten Untersuchungen größtentheils aus Sand und Lehm, jedoch ist diese Mischung so glücklich, daß fast jede Art der Witterung für denselben gut ist. Zu den alten Stadtfeldern werden gerechnet: 2. Die Felder beim Gericht und hinter dem Gottesacker. Die Felder beim Gericht haben ihren Namen daher, weil sie an das Gericht anstoßen, das in Schriften das steinerne, das hohe Gericht, der Galgen und der Rabenstein 3) genannt wird. Dieses Gericht, das im J. 1521 zuerst in Schriften erwähnt wird, ist wahrscheinlich in den frühern Zeiten der Stadt erbauet worden. Amt und Rath bedienen sich desselben gemeinschaftlich, wenn ein unter ihre Gerichtsbarkeit gehöriger Verbrecher mit dem Strange hingerichtet werden soll. Die letzte Reparatur an demselben geschah am 20. und 21. Jan. 1771. Den nächstfolgenden 25. Jan. ward der im Amtsdorfe Zschöllau wohnhafte und 51 Jahr alte Tagelöhner Joh. Eulitz mit dem Strange vom Leben zum Tode gebracht. Er hatte seit 20 Jahren mit seinen beiden Stiefsöhnen, Joh. Gottlob und Joh. Mich. Fischer gegen 18 Kirchen, namentlich die Kirchen zu Neumügeln, Großböhla, Blosiwtz, Gerichtshayn, Sitzenroda, Kühren und Langenreichenbach bestohlen, auch sonst verschiedene gewaltsame Räubereien verübt. Zum Behuf seines Räuberhandwerks hatte er sich mit 1 Degen und 2 Messern bewaffnet. 3. Die Rothschützer Flur gehörte ehemals zu dem Vorwerke in der Hospital-Vorstadt Nr. 651 das einem von Rothschütz zuständig war, davon die Flur noch den Namen führt. Sie besteht aus 1 Hufe Land, die jetzt bei dem Thalgute beigeführet wird. 4. Die Rolandsgärten vor dem Strehlaischen Thore auf dem Thale an dem Wege nach Manschatz fassen 2½ Garten in sich. Die Ursache ihres Namens ist oben angegeben. 5. Die Thalfelder bestehen aus 3¾ Hufen und 6 einzelnen Stücken. Einige von diesen Feldern liegen auf dem sogenannten Katzenberge, der seinen Namen daher hat, weil sich in ältern Zeiten wilde Katzen daselbst aufhielten. Er war eine Zeitlang mit Kiefern bepflanzt, die aber, da sie kein rechtes Wachsthum hatten, vor einigen Jahren ausgeradet und der Boden zu Felde gemacht wurde. 6. Die Felder zu Praschwitz bestehen aus 5¼ Hufe Feld. Die Bedeutung des Namens Praschwitz ist oben angegeben worden. Daß ein Dorf dieses Namens auf der Feldflur gestanden habe, kömmt mir darum wahrscheinlich vor, weil in dem ältesten Stadtbuche im J. 1388 Jacob Lommatzschens Aecker, die er an Pet. Bußen vererbet hat, die Aecker hinter Bratzitz genannt werden. 7. Die Felder am Dürnberge. Auch dieser Name ist oben erklärt. Bei denselben liegt der Fuchsberg, dessen Name sich aus den Zeiten herschreibt, wo sich Füchse daselbst in Menge aufhielten. 8. Die Felder bei den drei Kreuzen an der Leipziger Straße, liegen nicht nur nach der Stadt herein, sondern laufen auch hinauswärts nach dem Hospital zum fernen Griechen zu. 9. Die Striesaer Flur beträgt eine Hufe Feld, außer den zum Vorwerke Striesa eigenthümlich gehörigen Feldern. 10. Die Felder bei den Dreigärten bestehen aus 5 Feldstücken und liegen an dem Wege nach Pappenheim. 11. Die Felder auf den Röhren bestehen aus 2 Stücken, woran die Diakonat-Felder und der Pulverteich grenzen, von dem nicht weit davon in der Stadtmauer befindlichen Pulverthurme so genannt. Als dieser Teich 1548 geschlemmt ward, hielt er 152 Ruthen. Die Gärten, die an die Diakonatfelder nach der Stadt zu anstoßen, waren ehedem Feld, das dem Pleban gehörte, der es, um seine Schulden an das Kloster Seußlitz bezahlen zu können, mit Erlaubniß der Aebtissin dieses Klosters 1457 verkaufte und gegen einen jährlichen Zins in Gärten vertheilte. In dem Bezirke dieser alten Stadtfelder wurden den 13. Aug. 1557 auf des Churfürsten August Befehl zum erstenmale 17 Rainsteine, mit des Churfürsten und des Raths Wappen bezeichnet, zwischen des Amts und Raths Gerichtsbarkeit gesetzt, wobei von Seiten des Amtes Dietrich von Starschedel auf Mutzschen, Wolf von Boberitzsch, Amtsvoigt zu Oschatz und Matthes Kober, Besitzer des Thalguths, auf Seiten des Raths aber Joh. Gregorius, Bürgermeister, Gregor. Wolf, und einige andere zugegen waren. Im J. 1647 den 25. Sept. ward das Weichbild um die Stadt mit dem Amtsvoigte zum zweitenmale beraint 5). Die dritte Berainung geschah den 20. April 1653 wobel, wie bei der zweiten, eine Mahlzeit gehalten und den Viertelsmeistern und andern Bürgern, die derselben beiwohnten, ein Viertel Bier verehrt ward 6). Die vierte Grenzberichtigung ward den 4. Oktober 1728 vorgenommen und dabei 12 fl. 6 Gr. 3 Pf. aufgewandt. Als im J. 1557 das erstemal die Rainsteine gesetzt worden waren, wurden auch zugleich bei dem dritten und eilften Rainsteine, davon jener vor dem Brüderthore an der Leipziger, dieser vor dem Hospital-Thore an der Dresdner Straße stehet, die ersten drei Kreuze aufgerichtet. Die wurden von Andreas Rehmann, einem Maler in Torgau, für 2 Schock 24 Gr. verfertigt, und die Kreuze selbst schwarz, das Bildniß des Erlösers aber und der beiden Missethäter fleischfarben angestrichen; auch ward auf die, über dem Haupte Jesu befestigte Tafel die Auschrift gesetzt: Jesus Nazarenus rex Judaeorum. In neuern Zeiten wurden zwar die Kreuze, nachdem die ersten eingegangen waren, aber ohne Bilder wieder errichtet. Man verband mit der Setzung dieser drei Kreuze die religiöse Absicht, in den Gemüthern der Vorbeireitenden fromme Gedanken über das letzte Leiden Jesu zu erwecken 7). - Um den Berg, worauf die drei Kreuze vor dem Hospitalthore stehen, ging an der Mitternachtsseite vormals ein hohler Weg, der aber, bei Anlegung der Chaussee auf diesem Berge, ausgefüllt ward. Vor der Ausfüllung hatte der Lieutenant bei dem Infanterie-Regimente Prinz Clemens, F. E. von Liebenroth bei der Untersuchung dieses hohlen Weges ungemein viel versteinertes Holz gefunden, welches aber größtentheils von der Verwitterung in kleine, dünne Stückchen zertheilt worden war, die nur durch einen bläulichen Thon, der sich damit vermischt hatte, noch zusammen gehalten wurden. Am Ende dieses Weges fand jener Mineraloge auch einige große Klumpen eines fein körnerigten Puddingsteins oder vielmehr einer Grauwacke 8). In dem gedachten hohlen Wege scheint mir auch die blaugraulichte Erde und der kleine Wasserquell gewesen zu sein, woran Eckart und Tollius 9) bei der Beschreibung ihrer Reise durch Oschatz erinnern und wovon sie einstimmig bezeugen, daß das Wasser des Quells einen sehr scharfen und zusammenziehenden Geschmack habe, auch auf diesen Umstand die Vermuthung gründen, daß in der Nähe nicht allein Vitriol, sondern auch Metall vorhanden sei. Zu den neuen Stadtfeldern gehören, wie im Anfang dieser Abtheilung bereits angedeutet worden ist, die wüsten Feldmarken Blumberg, Kunersdorf, Neußlitz, Zschöllau und Gorau. Da ich von diesen verwüsteten Dörfern in der Beschreibung des Amtes Oschatz mehrere Nachricht zu geben habe, so will ich hier nur von den ehemals dazu gehörigen Feldern, als jetzigen Stadtfeldern, das Nöthigste anführen. 1. Die Blumberger Flur ist eine weitläufige aus 22¼ Hufen bestehende Feldmark, der Stadt gegen Morgen nach Lonnewitz und gegen Mittag nach Naundorf zu gelegen und gehört theils einigen hiesigen Bürgern, theils einigen Einwohnern von nahe gelegenen Dörfern. Sie steht mit Lehn und Gerichten dem Atme Oschatz zu, zinset aber auch dem Rathe und dem geistlichen Aerarium. Den 26. Nov. 1786 wurden in dieser Flur auf dem Wege nach Zöschau hölzerne Armsäulen gesetzt, die aber wieder eingegangen sind. Zu dieser Flur gehört Wolkens Weinbergshaus, das Hanns Dölitzsch 1552 zuerst auf den Berg erbauete, an dessen westlicher Seite ein Steinbruch ist, ingleichen auch das von Schäfer 1801 auf rohe Wurzel erbaute Wohnhaus, nebst Ställen und Scheune.
2. Die Kunersdorfer, auch Konradsdorfer ( das Gut "Konradsdorf" besaßen bis 1429, woes von den Hussiten verwüstet wurde, die von Heynitz - D. Herzog, Webers Archiv II.S. 69) Flur liegt der Stadt gegen Abend am Wege nach Hubertusburg, besteht aus 6¼ Hufen und gehört theils dem hiesigen Rathe, theils einigen Bürgern und einigen nahen Dorfbewohnern.
3. Die Flur Neußlitz, ehemals Neudsedlitz, Nusedelitz, liegt der Stadt gegen Mitternacht an der Leipziger Landstraße, bestehet aus 10 5/8 Hufen Feld, die den Bürgern zu Oschatz und einigen Gütherbesitzern zu Merkwitz eigenthümlich zustehen. Der Rath und das geistliche Aerarium erhebt Geld- und Getreide-Zinsen davon. Die Lehn und Gerichte sind dem Amte zuständig.
(Dass Dorf Rusedelitzzentete seit 1292 an das Nonnenkloster Sornzig und zinste seit 1397 auch an die Sornziger Kapelle auf dem Lerchenberge; es ist im Hussitenkriege zerstört worden. Vergl. D. Herzog in Webers Archiv II, S. 96) 4. Die Zschöllauer Stadtflur. Zschöllau wird in des Amts Oschatz Erbbuche vom J. 1552 auch Zschollen und Scholle geschrieben. Es giebt zwei Zschöllauer Fluren, die eine heißt die Terpitzer, enthält 5¾ Hufen, liegt noch wüste und gehört größtentheils den Einwohnern zu Terpitz, die andere führt den Namen Stadtfeld Zschöllau und liegt zwischen Zschöllau, der Stadt und dem Dorfe Merkwitz. Diese letztere gehört hieher, sie besteht aus 6 5/8 Hufen und ist wieder angebauet. Die Weinberge und Felder darin besitzen die Einwohner zu Zschöllau und einige Guthsbesitzer zu Terpitz und Gaunitz. Dem hiesigen Amte stehen auf beyden Fluren Lehn und Gerichte zu, der Rath hat aber auch einige Zinnsen von dem Stadtfeld Zschöllau. Sonst ward der Weinbau in dieser Flur stark getrieben, doch verschafte er nur eßbare Trauben und trinkbaren Most, aber schlechten Wein. In neuern Zeiten sind die Weinberge nach und nach zu Felde gemacht worden.
5. Die Gorauer Flur hat ihre Lage von der Stadt aus gegen Morgen am Wege nach Strehla und Riesa, bestehet jetzt aus 15¼ Hufen, die den Bürgern zu Oschatz und einigen Einwohnern der Dörfer Kleinragewitz und Schönewitz eigenthümlich zustehen. Dem Amte gehören Lehn und Gerichte zu. Die Flur zinset auch dem hiesigen Rathe, dem geistlichen Aerarium und dem Ritterguthe Altoschatz. Der Ort, wo das Dorf gestanden hat, heißt noch jetzt das Gordörfchen, ist mit einem Damme umgeben, macht eine halbe Hufe aus und hat, als verschlossenes Feld, das Vorrecht, daß Niemand über dasselbe fahren oder reiten, noch mit seinem Zuchtviehe darüber treiben, noch weniger darauf hüten darf.
Die Gorauer- Thal- und Zschöllauer Feldflur ist am reichlichsten mit Wiesewachs versehen, auch werden die Loh- und Augärten, drey ausgenommen, als Wieseb benutzt. In den übrigen Feldfluren der Stadt ist die Zahl der Wiesen sehr gering. In der Zschöllauer Flur ward auf einer, der obern Walkmühle, zugehörigen, Wiese im J. 1799 Torf zum Verkauf gegraben, aber damit nicht lange fortgefahren, weil der Erfolg der Erwartung nicht entsprach. Einige Bürger in der Stadt, welche Torf gekauft hatten, fanden in der Asche desselben große und kleine alte Münzen, welche vermuthlich in Kriegszeiten dahin wohl vergraben sein mochten. - Die Lohgräten haben ihren Namen von einer Lohmühle 21), welche in den beiden Lohgärten gestanden hat, die in dem 1773. revidirten Schoß-Register bei der Stadt Oschatz die Nummer 779 führen. Die Mühle war noch 1496 vorhanden, denn es wird in der Kämmerei-Rechnung d. J. eines Gartens beiy der Lohmühle gedacht. In dem Oschatzer Amts Kauf- und Handelsbuche vom J. 1739 (Vol. IV. fol. 57) und in dem gedachten Schoßregister wird der Garten, wo sie gestanden hat, die wüste Hofstatt genannt. - Die Augärten liegen der Stadt gegen Mittag, und gehören theils unter des Amtes, theils unter des Raths Gerichtsbarkeit. Mit dem Garten, der an dem, über die Döllnitz führenden, hohen Stege liegt, grenzt gegen Mitternacht eine verfallene, halb offene Schanze, die in der Kriegsbaukunst eine Flesche genannt wird. An der Morgenseite dieser Gärten fließt die Döllnitzbach hin, deren Name von dem Wendischen Worte Dele, das ein Thal bedeutet, herkommt. Diesen Namen führt sie auch mit Recht, denn sie fließt von ihrem Ursprung aus dem Göttewitzer See bei Mutzschen bis nach Gröba, wo sie in die Elbe fällt, in einem reitzenden und romantischen Thale hin. Sie kommt bei Altoschatz in den Stadtbezirk und fließet an der Morgenseite der Stadtmauer weiter nach Zschöllau, Manschatz, Schmorkau, Schönnewitz, Borna, Kanitz, Märzdorf und Gröba. Nach einem Aufsatze von des Amtes Oschatz eigenthümlichen Güthern, aus der zweiten Hälfte des sechszehnten Jahrhunderts, finden sich in derselben Karpfen, Hechte, Barse, gemeine Weißfische, Schmerlen, Krebse u. dergl. Auf der Mitternachtsseite geht die von ihr abgeleitete Mühlbach, die in Altoschatz ihren Anfang nimmt, nach der Stadt zu. Durch die Augärten wird das Röhrwasser in drei Hauptgängen über die Mühlbach nach der Stadt zu geleitet, in das Altoschatzer oder kleine Forst-Wasser, in das Bergwasser und in das Grünthalwasser eingetheilt wird. Das Altoschatzer Wasser besteht aus 8 Quellen, welche alle hinter einander im kleinen Forste und zwar bald unter dem zum Rosenthal gehörigen Felde, bald auf dem Grund und Boden des Berggutes liegen. Die Fortleitung geschieht durch den kleinen Forst und des Ritterguts Altoschatz Grund und Boden. Mit dem Besitzer dieses Guthes, Christoph von Bibra, traf durch Vermittelung Wolfs von Schleinitz zu Ragewitz der hiesige Rath Dienstags nach Mariä Reinigung 1513 einen Vergleich, daß auf seinen Güthern im kleinen Forste Wasserquellen gesucht und durch Röhren in die Stadt geleitet werden dürften. Das Wasser aus jenen 8 Quellen geht, in Rähren gefaßt, den kleinen Forst hervor, den Berg herab, allda über die Döllnitz neben steige durch die sogenannten Superintendents-Wiesen und dann weiter über den Mühlgraben, unter den Weiden am Mühlgraben herein bis zum Ausgange der Diakonat-Felder, von da es bis an den Stadtgraben steigt, wo es bei dem Pulverthurme durch einen in der Stadtmauer gewölbten Bogen in die Stadt geleitet wird. - Das Bergwasser, welches sieben Brunnen hat, die gegen Abend bei Wolkens sogenannten Weinberge quellen und unter dem Berge zusammen in eine Röhre gefaßt werden, geht über den Naundorfer Fahrweg, durch die Döllnitz und Augärten, über die Mühlbach und von da neben dem Altoschatzer Wasser in den Stadtgraben nach der Stadt hin. - Das Grünthalwasser besteht in zwei Quellen, die nicht weit von Krapfs Weinberge gegen Mitternacht und zwar nach der Stadt zu liegen. In einer Röhre vereiniget, werden sie ebenfalls über den Naundorfer Fahrweg, durch die Döllnitz, die Augärten, neben dem Bergwasser hin über die Mühlbach, nach dem Stadtgraben und von da in die Stadt geleitet. - Obgleich das Röhrwasser aus allen diesen Quellen von einem guten Geschmack ist, so behält doch das Grünthalwasser den Vorzug. - Die Zeit, wenn die beschriebene Wasserleitung zuerst angelegt worden ist, kann nicht genau bestimmt werden, ihrer wird zuerst in dem Stadtbuche, in einer 1478 am vierten Tage nach Misericord. Dom. abgefaßten Registratur gedacht, darin dem Zimmermeister Matthes vom Rathe versprochen wird, funfzig Groschen für das Bohren und Legen eines Schocks sechselliger Röhren zu geben. In der Kämmerei-Rechnung werden im J. 1486 15 Gr. verschrieben, die der Röhrmeister Andreas von Lißnick erhielt, als er untersucht hatte, ob es möglich sei, das Röhrwasser von Thalheim aus nach der Stadt zu leiten. Diese Untersuchung mochte wohl veranstaltet worden sein, ehe das Altoschatzer oder kleine Forstwasser angeleget ward. Das Bergwasser und das Grünthalwasser mögen die ältesten sein. Zur Zeit des dreißigjährigen Krieges war das Röhrwasser sehr eingegangen, ward aber nachher von Strafgeldern wieder hergestellt. Diese liegt der Stadt Oschatz gegen Abend und wird eingetheilt in das Rathsholz und in das geistliche Aerarien-Holz. Zwischen innen und an den Seiten liegen Hölzer, die auswärtigen Personen gehören, und die ich zugleich hier mit anführe, um eine genauere Übersicht von der ganzen Holzflur zu erlangen.
1. Im Obergange. Das gemeine Holz am Eichberge, welches im Ganzen 12 Aecker beträgt ist ein Theilholz, davon dem Rathe 6/10 Theile, dem Ritterguthe Bornitz 3/10 Theile und dem Ritterguthe Manschatz 1/10 Theil zustehen, rainet gegen Morgen und Abend an das Striesaer Holz, gegen Mittag an die Striesaer Felder. 2. Der Steinberg, von einem daselbst befindlichen Steinbruche also genannt, führt auch den Namen die kleine Schlachtbank, faßt 6 Acker, rainet gegen Mittag mit dem geistlichen Aerarien-Holze, gegen Mitternacht mit dem Striesaer und Schmorkauer, gegen Abend mit dem Bornitzer Holze und gegen Mitternacht an die Allee Nr. 16. 3. Die Schlachtbank nach 40 Acker oder 60 Scheffel Aussaat, rainet gegen Mittag mit dem Bornitzer Holze und des Raths Hopfengarten, nach Mitternacht mit dem Striesaer, dem geistlichen Aerarien-Holze und einer Wiese, nach Kreischa gehörig, und gegen Abend wieder mit dem Bornitzer Holze. - Dieses Stück Holz hat seine Benennung von einer im Ausgange des J. 1429 daselbst vorgefallenen Schlacht erhalten. Als nämlich in gedachtem Jahre die Hussiten in das Meißnerland einfielen und bis Oschatz vorgedrungen waren, kam er Churfürst von Brandenburg, Friedrich, dem Churf. von Sachsen, Friedrich dem Sanftmüthigen zu Hülfe, und lagerte sich mit seinem Kriegsvolke an dem Collmenberge auf der Seite nach Oschatz zu. Achttausend Taboriten rückten, nachdem sie Oschatz in einen Aschenhaufen verwandelt hatten, den ungleich schwächern Brandenburgern entgegen und schlugen sie in die Flucht. Die mehresten Geschichtsschreiber geben war vor, die Brandenburger wären beim Anblicke der Feinde sogleich geflohen, aber es ist mehr zu glauben, daß sie zuvor gefochten und sich erst nach erlittener Niederlage über Grimma nach Leipzig zurückgezogen haben. Die Lage des Orts trifft mit der uns hinterlassenen Nachricht von dieser Begebenheit so genau überein, daß fast kein Zweifel wider obige Muthmaßung übrig bleibt. Zwischen Oschatz und dem Collmenberge liegt unfern des Weges nach Grimma die Schlachtbank mitten inne. In ältern Nachrichten, die aus den Zeiten vor dem Hussiten-Kriege vorhanden sind, wird derselben nicht gedacht. Sollten die Brandenburger Hülfvölker gleich bei Annäherung der Hussiten geflohen sein, so könnte wenigstens ihre Niederlage nicht auf der Stelle ihres Lagers erfolgt und solche davon die Schlachtbank genannt worden sein. - Mir ist es sehr wahrscheinlich, daß der beschriebene Holzraum wenigstens ein Theil von den Feldern, Wiesen und Holze des damals verwüsteten Dorfes Altenhayn, das am Fuße des Collmenberges lag, sey, denn von den Wiesen und Gehölzern kamen 15 Gr. Zins zur Kapelle des heiligen Leichnams zu Oschatz im J. 1395 und 1399 und Markgraf Wilhelm I. bestätigte denselben am Tage Barbarä 1406. Zu diesem Zinse trägt noch der Rath zu Oschatz 1 Gr. bei. Es wäre daher nicht ganz unmöglich, daß dieser Zinns eigentlich von der Schlachtbank gegeben würde und die ältere Benennung über der neuern in Vergessenheit gekommen wäre. 4. Der Hopfengarten im Mittelgange, nach 25 Acker, stößt gegen Morgen und Abend an das Bornitzer, gegen Mittag an das geistliche Aerarien-Holz und gegen Mitternacht an das unten linker Hand daran stoßende 5. Theilholz nach 15 Acker, wovon dem Rathe 6/10 Theile, Bornitz 3/10 Theile und Manschatz 1/10 Theil zustehen, und das gegen Morgen mit dem Striesaer und Bornitzer, gegen Abend aber mit dem Aerarien-Holze rainete. 6. Das Schulzenholz, jetzt der Grauberg genannt (soll vielleicht der Krahenberg heißen); nach 60 Acker im Obergange, grenzet gegen Morgen mit Bornitz, gegen Abend, Mittag und Mitternacht mit dem Aerarien-Holze. Der Rath kaufte dieses Holz Freitags nach dem Frohnleichnamsfeste 1538 von Paul Tischer und den Brüdern Hanns und Franz Schulze für 45 Schock daher es das Schulzenholz heißt. 7. Das Hirschlacken- oder auch Hirschlecken-Stück, nach 45 Acker, wo ehemals Hirsche gefüttert wurden, daher es auch seinen Namen hat. Es grenzet gegen Morgen mit dem Aerarien, gegen Mittag mit des Raths Krickholze, gegen Abend mit dem folgenden Theilholze. 8. Ein Stück Gemein- oder Theilholz, nach 15 Acker, wovon ebenfalls dem Rathe sechs, Bornitz drei und Manschatz ein Theil zukommen, raint gegen Morgen an vorgenanntes Hirschlackenstück, gegen Abend an das Königliche, gegen Mittag an des Raths Krickholz, gegen Mitternacht an das Aerarien- und Bornitzer Holz. 9. Der Schlangenberg (von den sich ehemals daselbst aufhaltenden Schlangen also genannt), nach 12 Acker oder 16 Scheffel Aussaat, ist ebenfalls ein Theilholz, wovon der Rath sechs, Bornitz drei und Manschatz ein Theil gehört, grenzet gegen Abend an das Königliche, gegen Morgen an das Aerarien-, gegen Mittag an das Collemener und gegen Mitternacht an das Kalbitzer Bauerholz an. Die Alle Nr. 15 geht durchhin. 10. Das Krickholz, auch das große Krickholz, von 20 Acker, liegt im Mittelgange, grenzt gegen Morgen mit dem Manschatzer, gegen Abend mit dem Königlichen, gegen Mittag mit dem Bornaer und dem Bornitzer Holze, gegen Mitternacht an das Rathsholz Nr. 7 die Hirschlacke und das Theilholz Nr. 8 zum Theil auch an das Aerarien-Holz. 11. Das schmale Stück hinter dem kleinen Hirsetopfe, nach 12 Acker, und 12. der kleine Hirsetopf, nach 18 Acker, grenzt gegen Morgen mit dem Naundorfer, gegen Abend mit dem Mautitzer, gegen Mitternacht mit dem Bornaer Ritterguths- und gegen Mittag mit dem Lampertsdorfer Bauerholze. 13. Der große Hirsetopf, nach 24 Acker, stößet gegen Morgen und Abend an das Naundorfer, gegen Mitternacht an das Bornaer Holz, gegen Mittag an das Rathsholz, der Lampertsdorfer Gehren genannt. 14. Das Ziegelbirken-Stück oder das andere Krickholz, nach 120 Acker, grenzet gegen Morgen und Mittag an die Pappenheimer Felder, gegen Abend an das Naundorfer und Aerarien-Holz und an den Weg, gegen Mitternacht an des Raths Theilholz und zum Theil an das Striesaer Holz. Es heißt darum das Ziegelbirkenstück, weil in der Nähe die ehemalige Rahts-Ziegelbrennerey lag. Auch gehet der sogenannte Butterweg durch dieses Holz. 15. Die Bürgerlehde, (von der Viehweide, welche die hiesigen Bürger ehemals daselbst hatten, also genannt), nach 24 Acker, grenzet gegen Morgen und Mittag an die Thalheimer Felder, gegen Mitternacht an das Holz und die Wiese des Ritterguths Altoschatz. 16. Die Thalheimer Haide, nach 100 Acker, war sonst Lehde, rainet gegen Morgen mit des Raths vorgenannter Bürgerlehde, gegen Mittag mit dem Thalheimer Bauerholze, gegen Mitternacht zum Theil an die zum Ritterguthe Altoschatz gehörige Wiese und gegen Abend an das nun folgende Stück. 17. Die Lampertsdorfer Gehren, nach 120 Acker, grenzen gegen Morgen an die vorgenannte Thalheimer Haide, gegen Abend an die Lampertsdorfer Wiese und das daran stoßende Holz, gegen Mittag an die Thalheimer Bauerhölzer, gegen Mitternacht an das Naundorfer und an das Rathsholz, der große Hirsetopf genannt. Noch ist 18. die in dem J. 1800 und 1801 mit Birken und Erlen ganz von neuem angepflanzte, zwischen Pappenheim und Striesa liegende Lehde hieher zu rechnen. Der Rath erhielt für diese neue Anpflanzung von der königl. Landes-Oekonomie- Manufactur- und Commerzien-Deputation eine Prämie von 180 Thalern, besage der Kämmerei-Rechnung aufs Jahr 1810. fol 43b Diese angepflanzte Lehde grenzet gegen Abend an die Striesaer, gegen Mittag an die Pappenheimer Felder, gegen Abend an die Ziegelbirken Nr. 14 und gegen Mitternacht an das Striesaer Holz.
Einige von den Rathshölzern, nämlich No. 3 – 10. 15 und 17 wurden im J. 1594 mit 33 Pirnaischen Steinen, auf welchen das Stadt-Wappen, der Löwe, eingehauen war, verrainet; die ganzen Hölzer aber den 18. April, 1721 durch Commissarien ausgemessen und besichtiget. Die Bürgerlehde Nr. 15 ward den 24. Mai und den 11. Jun. 1792 gegen Mitternacht mit dem Rittergute Altoschatz, mit Pirnaischen Steinen verrainet. So ward auch nachher die gegen Mittag an die Thalheimer Felder anstoßende Bürgerlehde (Nr. 15), die Thalheimer Heide (Nr. 16) so wie ein Theil des Lampertsdorfer Gehren (Nr. 17) ebenfalls gegen Mittag an die Thalheimer Bauerhölzer anstoßend, mit Pirnaischen Steinen von neuem berainet.
Von dem großen Forste 22), der größtentheils aus Eichen bestehet, hat das Aerarium nur einen Theil, die übrigen beiden Theile stehen den Rittergütern Saalhausen und Casabra zu. Dieser Forst ward in dem Kriege bekannt, den Kaiser Adolph mit dem Markgrafen Friedrich mit der gebissenen Wange und Dietzmann, seinem Bruder, führte. Graf Heinrich von Nassau 23) der in Abwesenheit des Kaisers, mit dem er verwandt war, das Commando führte, befand sich mit einer Anzahl seiner Truppen 1297 in Oschatz. Von hier aus reconoscirte er, in Begleitung einiger Ritter, die Gegend bis nach Döbeln. Friedrich und Dietzmann, die sich in Rochlitz befanden, erfuhren dies und gaben Ulrich von Maltitz Befehl, sich mit einigen Rittern in die Gegend von Oschatz zu begeben und den Grafen von Nassau gefangen zu nehmen. Maltitz verbarg sich mit seinen Begleitern in dem gedachten großen Forste und als Graf von Nassau mit seinen Rittern von Döbeln zurückkehrte und auf den Weg kam, der vor dem Forste vorbeiführte, so brach Maltitz hervor, nahm den Grafen nebst 24 von seinen Rittern gefangen und brachte sie nach Rochlitz, wo sich der Grad durch die Auslieferung des Schlosses Lichtenwalda und der Städte Oschatz, Döbeln, Geithayn und Borna, die er inne hatte, lösen mußte 24). 1. Der Lanzberg oder kleine Steinbruchberg grenzet gegen Morgen, Mittag und Mitternacht mit dem Rathsholze, gegen Abend mit dem zum Rittergute Naundorf gehörigen Holze. 2. Der Ziegelberg oder die Ziegelbirken grenzen gegen Mittag an das Naundorfer, gegen Morgen an das Raths- und gegen Abend an das Bornaische Holz. Daselbst liegen gegen Abend zwei Steine. Bei dem zweiten Steine hört das Aerarien-Holz auf. Von da grenzet dieses Holz gegen Mitternacht an den Butterweg und gegen Abend an die Börnitzer Hölzer. 3. Das Mittelstück grenzet gegen Mitternacht an des Raths Theilholz, gegen Mittag an den Butterweg und gegen Morgen und Abend mit den Bornitzer Hölzern. 4. Das große Dammstück grenzet gegen Abend mit dem Rathsholze und mit Manschatz, gegen Morgen mit Bornitz, gegen Mitternacht an das Aerarien-Holz, den kleinen Schlangenberg und das Rathsholz, auch zum Theil gegen Morgen mit der Limbacher Wiese. 5. Der Graubberg grenzt gegen Mittag mit dem zum Aerarium gehörigen Dammstücke, gegen Abend mit Bornitz, gegen Morgen mit dem Rathsholze und gegen Mitternacht ebenfalls mit dem Aerarien-Holze. 6. Der große Schlangenberg grenzet gegen Abend mit einem Stücke von des Raths Theilholze, gegen Mitternacht mit dem Mönchsholze und dem Merkwitzer Pfarrholze, gegen Morgen mit Bornitz und gegen Mittag ebenfalls mit dem Raths- und Königlichen Holze und ist durchgängig beraint. 7. Der kleine Schlangenberg grenzet gegen Mitternacht an den Fahrweg, der nach dem Mönchsholze hinführt, gegen Abend an das Bornitzer, gegen Morgen an das Raths- und gegen Mittag an das Aerarien-Holz, das Dammstück genannt, und ist auf allen 4 Ecken beraint. 8. Das große Müncher- oder Mönchsholz grenzt gegen Morgen mit der Merkwitzer Lehde, gegen Mittag mit dem Rathsholze, gegen Abend mit dem Merkwitzer Pfarr- und dem Rathsholze, gegen Mitternacht mit dem Böhlaischen Ritterguths-Holze und ist auf der Morgen- Abend- und Mitternachtsseite mit einem Grenzgraben umgeben. - Es gehörte, wie schon sein Name anzeigt, den ehemaligen Franciskaner-Mönchen in Oschatz. Als der Rath 1540. bei den Herzoglichen Visitatoren und darauf 1542 bei dem Herzoge selbst eine schriftliche Angabe der zum Kloster gehörigen Grundstücke einreichte, ward es das Stück Holz in der Strut 26), auch das das große Münchholz genannt und seine Größe auf 102 Acker und 20 Ruthen bestimmt. 9. Der Steinberg grenzt gegen Mittag mit Striesa, gegen Mitternacht mit dem Rathsholze und gegen Abend mit Bornitz. 10. Das Spital-Holz grenzt gegen Morgen, Abend und Mitternacht mit Bornitz und stößt von der Mitternachtsseite auch an den Butterweg. Kunz von Gaudlitz auf Collmen vermachte es 1537 in seinem Testamente dem Hospital zum fernen Siechen. 11. Der vorderste Thiergarten grenzt gegen Mitternacht an den Butterweg, gegen Morgen an das Bornaische und Mautitzer Holz, gegen Mittag mit dem Lampertsdorfer und Wellerwalder Holze und gegen Abend mit dem letzten allein. 12. Der mittelste Thiergarten grenzet gegen Mitternacht, vermittelst eines Holzweges, mit Borna, gegen Abend mit dem Naundorfer Kirchenholze, gegen Morgen mit dem Naundorfer Ritterguths-Holze und gegen Mittag mit dem Lampertsdorfer Gemeinde-Holze. 13. Der hinterste Thiergarten grenzt gegen Mittag mit dem Lampertsdorfer Kirchen- und Bauerholze, gegen Morgen mit dem Naundorfer Rittergutsholze, gegen Abend mit dem Lampertsdorfer Kirchenholze und gegen Mitternacht mit dem Königlichen und Collmener Bauerholze. 14. Der Truchsaß grenzt gegen Mitternacht an den Collmener Oberweg, gegen Abend mit dem Holze des Ritterguts Manschatz, gegen Mittag und Abend ebenfalls mit dem Manschatzer und Bornitzer Holze, gegen Morgen mit Bornitz allein, und wird ebenfalls zum Thiergarten gerechnet 27). - Heinrich von Truchsaß auf Wellerswalda schenkte Freytags nach Ostern (den 4 April) 1494 dieses Holz, das nach seinem Namen genannt worden ist, dem Hospital zum fernen Siechen. 15. Ein Stück ohne Namen, grenzet gegen Morgen an das Calbitzer Gemeinde-Holz, gegen Mitternacht und Abend an das Calbitzer Bauerholz und gegen Mittag an das Königliche Holz. 16. Ein schmaler Strich Holz, ebenfalls ohne Namen, grenzet gegen Mittag an den Collmener Oberweg, an das Aerarien-Holz, dem Steinberge gegen über, gegen Abend, Morgen und Mittag aber mit dem zum Guthe Striesa gehörigen Holze.
1) in seinen Beobachtungen über Natur und Menschen, besonders über mineralog. Gegenstände an verschiedenen Orten in Sachsen, 2te Samml. Erfurt, 1791 S. 9. 10. zurück 2) Im J. 1811 ward zum Andenken an die erste christliche Kirche in Thüringen, die Bonifacius, der berühmte Apostel der Deutschen, in der ersten Hälfte des achten Jahrhunderts auf dem alten Berge bei Altenberga gründete und dem Täufer Johannis weihete, ein Denkmal errichtet. Den ersten Gedanken hierzu hatte ein wenig bemittelter, aber religiöser Mann, der Holzhauer Nicolaus Brückner durch eine testamentarische Stiftung aufgeregt, und der Herzoglich-Gothaische Rath und Amtmann Langheld zu Walterhausen, zu dessen Amtsbezirk Altenberga gehört, hatte diesen Gedanken ergriffen, erweitert und zur Ausführung gebracht. Das Denkmal selbst sollte, nach der ersten Idee Brückners in einem einfachen Stein bestehen, späterhin wollte man es durch einen Altar mit einem Kreuze bezeichnen. Aber ein erhabender Kenner und Beschützer der Künste und Wissenschaften fiel auf die weit geschmackvollere und sinnreichere Idee, daß zur Bezeichnung dieses Denkmals ein Candelaber oder heiliger Leuchter erwählet ward, - ein Sinnbild der Kultur, die das Christenthum verbreitete, oder des Lichts, das die Erde erleuchtete und zum Himmel aufstrebt. Am 17. Junius des gedachten Jahres ward der Grundstein zu diesem Candelaber unter sehr angemessenen Feierlichkeiten gelegt und derselbe am 1. Sept. darauf eingeweiht. Eine ausführliche Nachricht davon ertheilt die National-Zeitung der Deutschen, vom J. 1811 um 12, 27 und 37 Stück, desgleichen des Professor Galetti Schrift: die St. Johanniskirche bei Altenberga und ihre Umgebungen. Ein Rückblick in die vorigen Zeiten. Zum Besten des Candelabers. Gotha, 1811 - Die Idee zur Errichtung eines ähnlichen Denkmals ließ sich auch in unsern Keilgärten da, wo die Burg stand, nicht nur ausführen, sondern noch erweitern. Denn faßte jene Burg nicht außer der ersten christlichen Kapelle, auch noch die erste Amtsvoigtei in dem dazu gehörten Bezirke in sich und war sie nicht die erste Veranlassung zur Erbauung unserer Stadt, ja selbst ihr Anfang? Offenbar wäre jener Ort wichtig genug, um einer besondern Auszeichnung vor andern werth geachtet zu werden. zurück 3) Bei einem Rabenstein muß man sich nicht dem Wortklange nach einen Ort vorstellen, wo sich Raben auf einem Steine oder Felsen aufhalten, sondern eine Gerichtsstätte (locum supplicii) denken, denn das Wort kommt her von Rabe, ein todter Körper (cadaver) und Stein, ein gemauertes Werk. zurück 4) z.B. in des Amts Oschatz Kauf- und Handelsbüchern vom Jahr. 1665 Vol. II. Fol. 284. zurück 5) Die Nachricht davon steht in des Amtes Kauf- und Handelsbuche, Vol. I. b. Fol. 9. zurück 6) Den darüber am 20. April 1653 ausgefertigten Receß enthält das nur genannte Kauf- und Handelsbuch Vol. I. b. Fol. 254. b. zurück 7) Meines verstorbnen Bruders Abhandlung über die öffentlichen Kreuze in Sachsen, die in das Magazin der Sächs. Gesch. eingerückt ist, Th. 2. S. 290 bis 298 giebt über die Gewohnheit, öffentliche Kreuze aufzurichten, einen nähern Aufschluß. Als der jetzige König am 30 Octob. 1775 zum erstenmale durch Oschatz auf die Jagd nach Sitzenroda reisete, zogen die 3 Kreuze seine Aufmerksamkeit auf sich. Er trug daher dem Conferenz-Minister von Gutschmidt auf, nähere Nachricht davon einzuziehen. Auf dem nächsten Landtage, der noch am Schlusse des genannten Jahres seinen Anfang nahm, erkundigte sich daher der Minister nach der Absicht jener 3 Kreuze bei meinem Vater, der, als Deputirter hiesiger Stadt, dem Landtage beywohnte. So viel ihm möglich war, gab derselbe nicht nur auf der Stelle mündlich die verlangte Auskunft, sondern überreichte nach einiger Zeit dem Minister auch einen schriftlichen Aufsatz über jenen Gegenstand, nachdem er dabei den damaligen Pastor in Bloßwitz, M. Frenkel, den Besitzer vieler Nachrichten von Oschatz, zu Rathe gezogen hatte. Auch Frenkel wußte den 3 Kreuzen keine andere Bestimmung anzuweisen, als daß sie Grenzzeichen von der Gerichtsbarkeit des Amtes und der Stadt wären und sein sollten. zurück 8) Man s. von Liebenroth Beobachtungen über Natur und Menschen, besonders über mineralogische Gegenstände an verschiedenen Orten in Sachsen und andern Gegenden; zweite Samml. S. 27. Erfurt, 1791. zurück 9) Jener in seinen monatlichen Auszügen, Monat Febr. 1701. S. 49. Dieser in epist. itinerar. edit. 1790. III, p. 66. 410. Amsterd. curante Henr. Christiano Heuninio. zurück 10) Der Stiftskanzler Born sucht in diss. I. de jure stapulae as nundinarum civitaris Lipsiae. de a. 1738: § XIII. darzuthun, daß obengedachte Heerstraße die allerälteste von den zwanzig auf den Leipziger Stapel gerichteten Hauptstraßen sei. Die derselben ertheilten Privilegien werden ausführlich angegeben in der pragmatischen Handlungsgeschichte der Stadt Leipzig, 1772 S. 158 bis 166. zurück 11) Die obigen 5 Urkunden, die Nichtduldung der von dem Schles. Herzoge, Johann, neu angelegten Straße betreffend, wurden mir von dem durch mehrere histor. Schriften über die Oberlausitz verdienten Oberpfarrer in Reichenbach, Christ. Gottlieb Käufer, in Abschrift mitgetheilet. Da ich sie nicht vollständig abdrucken lassen kann, so habe ich sie hier doch ihrem wesentlichen Inhalte nach erwähnen wollen. Ich glaube nicht, daß sie gedruckt sind, wenigstens finde ich derselben in der pragm. Handlungsgeschichte der Stadt Leipzig, wo doch alle dahin gehörige Urkunden angeführt werden, nicht gedacht. zurück 12) In dem Amte Weißenfels liegt auch ein verfallnes Schloß, das den Namen Osterfeld führet. S. Ge. Ernst Otto Geschichte und Topographie der Stadt und des Amtes Weißenfels in Sachsen, 1796. S. 263 f. zurück 13) Es giebt gegen 24 Dörfer im Lande, die Konradsdorf heißen. Viele sind entweder von dem Markgrafen Konrad, der sich um den Anbau und die Urbarmachung der Gegend über Dresden und nach dem Gebirge zu besonders verdient machte, erbaut oder von andern Erbauern, die diesen Namen führten, genannt worden. zurück 14) M. J. F. Rochs Abhandl. von dem Osterlande in Kreyßigs Beytr. zur Historie der Sächs. Lande, B. III, S. 373. zurück 15) Die ältesten Markgrafen thaten es hierin den alten Kaysern nach, die in den Reichs-Provinzen zu ihren Jagdbelustigungen bei den Wäldern ihre Palatia und Castra regia erbaueten. S. acta eruditor. der Gelehrten in Franken, T. II, p 1853. zurück 16) Gerken Diplom. vet. march. Brandenb. T. II, pag. 577 - 581 ex Copiario arch. reg. Berol. zurück 17) ein Nicol Papperzan war 1394 Rathsherr, ob er aber der Käufer des oben genannten Guths gewesen sei, läßt sich nicht mit Gewißheit sagen. Denn unter diesem Namen war ehemals auch ein adeliches Geschlecht vorhanden. Hugo von Papercen war 1286 ewiger Vikar zu Meißen, dessen in dem Magazin der Sächs. Gesch. B. V. S. 597 gedacht wird. In Schoettgenii opusc. min. p. 108, 147 in diplom. d. a. 1332 wird dem Kloster Alten-Zella ein Haus zugeeignet, das Jenichius dictus Papperzan, der Burggrafen zu Dohna Vasall, in Dresden besaß. In einer Urkunde des Klosters Nimtschen v. J. 1359 wird auch eines Zinsdorfes Paperzahn gedacht. S. Magaz. der Sächs. Gesch. B. VIII, S. 102. Weder in Königs, noch in Gauhens Adels-Lexicon ist das Geschlecht von Paperzahn befindlich. zurück 18) Es wird in verschiedenen Chroniken angemerkt, daß sich in dem heißen Sommer 1493 die Venus-Seuche, die aus Amerika nach Spanien und Frankreich gebracht worden sei, in Deutschland zum erstenmale gezeigt und 4 Jahre in dem Meißnerlande gewüthet habe. Daß diese Seuche in dem angeführten Jahre zuerst nach Deutschland gekommen sei, läßt sich weder behaupten, noch bestreiten. Aber daß sie aus Amerika nach Europa sich verpflanzt habe, wird von vielen geleugnet. G. D. Ge. Heinr. Webers Abhandlung von der Venusseuche, worin bewiesen wird, daß dieses Uebel nicht aus Amerika gekommen sei. Bremen, 1775. 8. ferner, D. Phil. Gabr. Henslers Geschichte der Luftseuche, die zu Ende des funfzehnten Jahrhunderts in Europa ausbrach, Altona und Hamburg 1783. 8. B. I. zurück 19) In Sachsen findet man Hospitäler, Kirchen und Kapellen dieses Namens in Bautzen, Görlitz, Zittau, Kamenz, Chemnitz, Löbau und auf dem Oybin. zurück 20) Eine ausführliche Beschreibung dieses Wetzsteinflötzes ertheilt von Liebenroth in den Beobachtungen über Natur und Menschen, besonders über mineralog. Gegenst. in Sachsen, zweite Samml. §. 9. 10. und 11. zurück 21) Auf derselben ward die Loh, die in einer rothen Rinde besteht und von den Lohgerbern zur Zubereitung des Leders gebraucht wird, gemahlen. zurück 22) Nach Wächter in seinem Gloßar. ward nicht jeder Wald, sondern nur der ein Forst genannt, in welchem Wild für den Fürsten unterhalten ward. Die Angelsachsen nennen einen solchen Wald deor-fald, d. i. einem Wald, in welchem das Wild durch einen Zaun eingeschlossen ist, den man auch sonst einen Thiergarten zu nennen pflegte. zurück 23) Die mehresten Geschichtsschreiber nennen diesen Grafen von Nassau nicht Heinrich, sondern Philipp und verwechseln ihn mit dem Grafen Philipp von Nassau, den Friedrich mit der gebissenen Wange 1508 besiegte. Häberlin giebt ihm in dem Auszuge der allgemeinen Welthist. neue Histor. B. II. S. 661 seinen richtigen Namen Heinrich. zurück 24) Jo. Ge. Lebr. Wilkii Ticemannus, p. 140 Knauth in der Alten-Zellischen Chronik Th. VIII, S. 14. zurück 25) Sie ist es Amtes Oschatz Acten beygefüget, die höchstnöthige Reparatur an der schadhaften Klosterkirche zu Oschatz und deren Wiederherstellung sammt was dem mehr anhängig, betr. Ergangen im J. 1787 XIII. a lit. O. No. 116. zurück 26) Das Wort Strut, auch Struet, bedeutet in der Wendischen Sprache einen Strom, oder ein fließendes Wasser. Dieser Name wird einer wüsten Mark gegeben, die sich bis an die von Collmen über Calbitz nach der Collmnitzmühle fließenden Bach erstreckt und also zwischen Oschatz und Großböhla am Wege nach Dahlen und Torgau liegt; sie gehört jetzt zum Rittergute Großböhla und besteht aus Feld und Holz. zurück 27) An dem Thiergarten, der von einem großen Umfange ist, haben nicht nur das Aerarium, sondern auch die Rittergüter Borna, Bornitz, Mautitz, Naundorf Antheil zurück |
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