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In der Ausgabe 9 aus Juli 1990 erschien in „Rund um den Collm“ einer damaligen Beilage der OAZ ein ganzseitiger Artikel über den Mäzen der Stadt Oschatz, dem gebürtigen Oschatzer Paul Rudolf Tischer. Er starb am 9. Juni 2019 im Alter von 98 Jahren in Timonium, Maryland, USA. Am 28. Juni 2019 wurde er in Altoschatz beigesetzt. Es war sein ausdrücklicher Wunsch, in seiner alten Heimat die letzte Ruhe zu finden.


 

Rudolf Tischer aus Oschatz – der deutsche Autokönig von Maryland

Vor einem Jahr widmete das Washington Journal (WJ) in seiner Ausgabe vom 14. Juli 1989 Herrn Rudolf Tischer – dem deutschen Autokönig von Maryland – eine ganze Seite. Rudolf Tischer ist gebürtiger Oschatzer und weilte zum Treffen seiner Schulklasse am 16. Juni in Oschatz (siehe „Rund um den Collm“ vom 22. Juni). Im folgenden veröffentlichen wir Ausschnitte aus dem Bericht vom WJ.

Große Pläne für die Zukunft
Wir wollen unseren Kunden noch mehr Service bieten, ausbauen, vergrößern, besser machen – wir haben große Pläne für die Zukunft.“ Das berichtet der deutsche Auto-Großimporteur Rudolf Tischer während einer Rundfahrt zwischen seinen vier Meisterbetrieben in Laurel und Silver Spring, Md. Wir fotografierten einen offiziellen Spatenstich auf vier Ackern planierter Wiese neben dem Autohaus Tischer (VW, Saab, Honda und Range Rover werden hier angeboten), wo demnächst ein funkelnagelneuer Autosalon nur für „Honda“, komplett mit Service und Betreuung entstehen wird. Ein paar Kilometer weiter halten wir bei „Tischer Acura“ an der 3510 Fort Meade Road an, der neuesten Tischer-Niederlassung, die sich nur auf japanische „Acura“ spezialisiert (Verkauf, Beratung, Kundendienst, Betreuung).

Zufriedene Stammkunden
Seine 260 Mitarbeiter und Zehntausende zufriedene Stammkunden, die ihre Autos Jahr für Jahr bei Tischer kaufen und betreuen lassen, nennen Rudolf Tischer den „German Autokönig in Maryland“ oder „King of the Road“. Eine Ehrenbezeichnung und volksmundige Anerkennung, die sich Rudolf Tischer in 18 Jahren redlich, ehrlich und gewissenhaft verdient hat.  Hier eine kurze persönliche Rückblende für Leser, die Rudolf Tischer noch nicht persönlich kennen: Er kam 1957 mit seiner aus Köln stammenden Frau, Trudi Tischer, zwei Koffern und einer kleinen Holzkiste nach Amerika, um für drei Jahre für VW „Amerika-Erfahrung zu sammeln“. Damalige VW-Kollegen meinten, große Zukunftsräume vom Amerika-Markt seien längst vorbei... aber Rudolf Tischer blieb im Lande und eröffnete einige Jahre später (1971) seinen ersten Betrieb in Laurel. Er wurde einst in Oschatz bei Leipzig geboren, machte 1951 in Flensburg sein Kraftfahrzeugmeister-Diplom und ging 1956 zu VW nach Wolfsburg. In Deutschland wäre er heute längst wahrscheinlich unter Rentnern „auf dem Altensitz“ und würde einen Kleingarten seinen einzigen Stolz nennen... In Amerika entwickelte sich der energiegeladene, dynamische Auto-Importeur zu einem tatenvollen Träumer, der seine Träume in die Tat umsetzt und Taten sprechen läßt. Und seine Pläne gehen weit über das Jahr 2000 hinaus. – „Solange ich das Glück habe, gesund zu bleiben.“ Glück und geschäftlichen Erfolg Rudolf Tischer hatte in Amerika

Glück und geschäftlichen Erfolg.
Dazu gehören aber vor allem viele enge und treue Mitarbeiter, die genau wie „der Chef“ am Werke täglich mitbauen und sich persönlich dafür einsetzen. Rudolf Tischer sagt: „Meine Frau, Trudi, führt seit 32 Jahren meine Familie – she deserves the lion's share of credit für all unsere persönlichen und geschäftlichen Erfolge. Sie ist privat sehr aktiv in unserer Dorfkirche tätig und liebt ihren Blumengarten...“ Zum engsten Mitarbeiterstab gehören vor allem Christian von Berg und Petra Tischer, neben Söhnen Ralf und Joe Tischer.

Tochter ist jetzt die Präsidentin
Am 8. Juni 1989 ist die in Maryland geborene Tochter des Hauses Tischer, Petra Tischer, 28, offizielle Präsidentin und General Manager von Tischer Autopark geworden. Die tolle Karriere der petiten Betriebsführerin ist bemerkenswert: Petra Tischer ist eine der jüngsten weiblichen Spitzenmanagerinnen mit außergewöhnlichem Mut: einst machte sie nebenbei Telefondienst in High-School-Tagen, dann führte sie das Office in Laurel, besuchte das amerikanische College für Autohändler und entwickelte Ehrgeiz und Business-drive; seit 1988 war sie General Manager des Autoparks mit gut 100 Mitarbeitern und erhielt zahlreiche höchste Auszeichnungen für ihre tollen Leistungen. Daneben ist Ralf Tischer von Subaru jetzt zum „Acura“-Betrieb übergesiedelt und breitet dort seine Flügel aus. Sagt Rudolf Tischer über Ralf Tischer: „Er hat eine Menge guter und interessanter Ideen und wird sicher mal Henry Ford überflügeln...“ Joe Tischer, sein zweiter Sohn, ist ein außergewöhnlich tüchtiger Mechaniker und hat in den letzten Jahren viele Auszeichnungen erhalten. Joe ist ein sogenannter „History Buff“ und arbeitet zur Zeit an neuen Projekten. Die Jüngste im Hause Tischer ist Tochter Heidi, die noch zwei weitere College-Jahre zu absolvieren hat und selbst ihre Zukunft entscheiden will, wozu neben Autos vor allem Pferde und die Natur gehören...

Auszeichnungen und Ehrungen
Zurück zum „Autokönig“ und Chef dieser einmalig erfolgreichen deutsch-amerikanischen Familie im Raume Washington: In seinen diversen Büros hat Rudolf Tischer Hunderte von Auszeichnungen, Ehrungen, Prädikaten, Awards und andere berufliche Urkunden vorzuweisen, darunter das Prädikat „50 Years of Excellence“. Rudolf Tischer ist ein international anerkannter Autofachmann und Vertragshändler für Spitzenprodukte aus der Bundesrepublik und Japan. Seine Welt sind Autos und Autofahrer, Autokäufer. Für sie plant er weiter und erzählt uns am Rande unseres Besuches für diesen Bericht: „Wenn unsere Autofahrer Treibstoff brauchen, können sie bei der Tischer-Tankstelle beim Autohaus tanken... da haben wir im Vorjahr auch 20 Acker Land gekauft, um meine nächsten Pläne zu verwirklichen. Da wird eine konzentrierte Autostadt mit einem Shopping-Center geplant, damit wir in nicht allzu ferner Zukunft unseren Office-Komplex unter ein Dach kriegen könnten. Das Shopping-Center soll vor allem auch unseren Kunden dienen, die beispielsweise ihren Wagen warten und pflegen lassen, da können Autofahrer und Autofahrerinnen inzwischen einkaufen gehen oder sich erholen.

Im „Washington Journal“ erschien vor einem Jahr dieses Foto (hier Repro), das Rudolf Tischer mit seiner Tochter Petra zeigt, die jetzt Präsidentin des Unternehmens ist. Zur Erinnerung an seine Heimatstadt überreichte Dr. Hans Koch zum Klassentreffen am 16. Juni 1990 Rudolf Tischer ein Gemälde von Oschatz, das Hans Prochazka schuf.

 


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