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Straßennamen als "Erinnerungsfiguren im kollektiven Gedächtnis"
Die Fragen, die sich dieser Lyriker zu unseren
Straßennamen im allgemeinen
stellt, sollen im folgenden Beitrag eine Rolle spielen, wenn es gilt, so manchen Namen in eigenen Städten und
Gemeinden unseres Kreises, insbesondere die personenbezogenen – zu "entziffern"
Wie wohl in vielen Ortschaften unseres Kreises die Straßennamen
nicht personenbezogener Herkunft sind, weisen
die Straßenverzeichnisse größerer Gemeinden zahlreiche Straßen, Wege und Plätze auf, die ihren Namen
Persönlichkeiten zu verdanken haben.
Hausnummern statt Straßennamen
Um zum Ausgang dieses Ausflugs ins Mittelalter zurückzukommen, iIn dieser Epoche (bis zur frühen Neuzeit) waren nicht Straßen sondern Häusernamen wichtigstes Orientierungsmittel für die
Einwohner einer städtischen Ansiedlung. "Sie waren recht dauerhaft und jedem bekannt. Dagegen waren Straßen kurzlebig, zu solchen
Orten führend – es sei denn, auf ihnen spielten sich regelmäßig wiederkehrende oder lang im Bewusstsein haftende Dinge ab, so
auf Märkten, oder ihre Form war eigentümlich (z.B. "Ring"), oder viele anliegende Häuser hatten eine ganz bestimmte Funktion
(z.B. Handwerkerviertel, Wohnorte von Juden). Noch im 19. Jahrhundert konnten diese Kennzeichen als stabile Kriterien der Umwelt
wahrgenommen werden."
(2) Oschatz wurde bereits 1785 nach Hausnummern seit Errichtung des Brandversicherungskatasters eingeteilt. Gemäß der neuen Stadtordnung von 1842 erfolgte eine neue Stadteinteilung in acht Bezirke (wobei sich vier innerhalb der ehemaligen Ringmauer befanden). Die Nummerierung blieb jedoch weitehin erhalten. An machen Grundstücken sind diese alten Brandversicherungs-Katasternummern noch heute zu finden. In dem genannten Lokalstatut von 1842 werden bezirksweise alle damals existierenden Straßennamen (die meisten hießen noch Gasse) aufgezählt. In den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts setzte wie anderorts auch eine merkliche Erweiterung der Stadt verbunden mit der Neuanlage von Straßen ein. Ein Straßenverzeichnis von 1895 für Oschatz und anderer Städte des Kreises erhält schon die neuen Straßen (z.B. Gartenstraße, Lutherstraße, Reithausstraße). Erst im Jahre 1897 erhielten die Häuser neue Straßennamen. Das Straßenverzeichnis wurde zuvor den Stadtvätern (im allg. der Stadtverordneten-Versammlung) zur Beratung und Beschlussfassung überbracht. Dieses Verzeichnis enthielt neue und ältere Straßennamen, die abgeändert werden konnten. Allen Hauseigentümern wurden sodann die neuen Straßennamen mit Hausnummern mitgeteilt, mit der Aufforderung, die alten Hausnummern zu beseitigen und innerhalb einer vorgeschriebenen Frist die neue anzubringen, wobei Größe und Farbe der Hausnummer im allg. nach Vorschrift beachtet werden mussten. Die neuen Straßenverzeichnisse mit Hausnummern wurden gleichzeitig der Brandkasse und dem Katasteramt übergeben; im Standesamtsregister wurden sodann diese neuen Daten nach der Umstellung geführt. Also ein erheblicher Verwaltungsaufwand, der im Prinzip auch heute noch üblich ist. (1) Gerhard Heinz, Dr. L. Hiersemann, Sylvia Schöne
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