Home | Geschichte(n)  | 1956

Mir wurden Fotos vom Schul- und Heimatfest 1956 zur Verfügung gestellt, die ich hier gern veröffentlichen möchte. Dazu können Sie den folgenden Artikel aus dem Rundblick des gleichen Jahres (Seite 488 ff) lesen. Ich wünsche viel Spaß und evtl. auch schöne Erinnerungen.

Wenn ich über das Oschatzer Schul- und Heimatfest berichte, so muss ich etwas weiter ausholen und beim Mügelner Heimatfest beginnen. Dieses war von der Einwohnerschaft ausgezeichnet vorbereitet, wobei die Freunde des Kulturbundes führten. Der Erfolg blieb dann auch nicht aus. Von da ab datiert eigentlich die breite Mitarbeit der Oschatzer Bevölkerung zu Vorbereitung ihres Festes. Dass auch Wermsdorf zwischendurch sein wohlgelungenes 750jähriges Ortsjubiläum beging, gab der Bereitschaft zur Vorbereitung der Festtage in Oschatz einen weiteren Auftrieb.
Die Gartenstadt am Collm schmückte sich und sparte nicht mit Farbe und Mörtel für die Erneuerung der Hausfassaden. Die Vorgärten wurden liebevoll bepflanzt und die Straßen und Häuser festlich ausgestaltet. Es begann ein stiller Wetteifer, bei dem mit ihren einheitlichen Laubengängen die Stalinstraße den unbestrittenen Sieg davontrug. Es war ein Erfolg des kollektiven Wirkens.
Am 29. Juni begann die reichhaltige Darbietungsfolge mit Sportveranstaltungen. Der folgende Sonnabend war dann der erste große Tag mit einer Festsitzung der Stadtverordneten und der Begrüßung der westdeutschen Gäste. Im Mittelpunkt des Sonntags stand der historische Festzug. Es war sehr reizvoll, Vergleiche mit Mügeln und Wermsdorf zu ziehen. Während in Mügeln die Vielseitigkeit und liebevolle Ausgestaltung der Festwagen und Gruppen die breite aktive Mitwirkung der Einwohnerschaft erkennen ließ und der Wermsdorfer Festzug naturgemäß nicht so umfangreich war, dafür aber eine betonte historische Linie hatte, gab der Festzug der Kreisstadt ein Bild der Entwicklung der Landschaft, wie sie heute noch durch die mächtigen Stadttürme aus den Jahren 1377 und 1488, Reste der alten Stadtmauer und des Wallgrabens sowie die schönen mittelalterlichen Bauten dokumentiert wird. Dass diese geschichtliche Entwicklung natürlich so dargestellt wurde, wie sie im Feudalismus und in der kapitalistischen Zeit politisch und wirtschaftlich auf die Bevölkerung auswirkte, versteht sich von selbst. Die Gegenwart im Staat der Arbeiter und Bauern war eindrucksvoll durch die Festwagen unserer volkseigenen Betriebe, eines blühenden Handwerks und der privaten Betriebe dargestellt. Viel Schönes, Interessantes und Belehrendes konnten die etwa 15.000 bis 20.000 Heimatfestbesucher bewundern, und es ist in Oschatz ebenso wie in Wermsdorf und Mügeln die Bereitwilligkeit der Menschen zur Mitarbeit, die sich in der liebevollen und ideenreichen Ausgestaltung der Festwagen und -gruppen äußerte, dankbar anzuerkennen.
Dasselbe gilt auch für die verschiedenen Ausstellungen, die der Industrie und der Handwerker, der Kleintierhalter, der Imker, der Schulen usw. Für die Sportfreunde waren die Spiele mit den westdeutschen Mannschaften Höhepunkte, wie überhaupt die Aussprachen mit den westdeutschen Gästen besonders gepflegt wurden und zur Vertiefung der gegenseitigen Beziehungen führten.
Als ein Erfolg des Nationalen Aufbauwerks der Stadt Oschatz ist die Fertigstellung der Musikhalle im Rohbau zu verzeichnen, so dass unter Anteilnahme von vielen Hunderten von Zuhörern im Stadtpark die Kulturgruppe des Postamts und das Kreiskulturorchester dort an einem herrlichen Sommerabend zur Freude der Erschienenen spielen, singen und tanzen konnten.
Überhaupt das Wetter! Es begünstigte das anschließende Feuerwerk und die vielen Veranstaltungen des Schul- und Heimatfestes, die naturgemäß im Freien stattfinden mussten, da es einfach für so viele Menschen keine genügend großen Säle gibt.
Die Veranstalter gaben auch eine Festschrift heraus, die die Vergangenheit und Gegenwart der Stadt Oschatz von einer fortschrittlichen Geschichtsforschung aus gesehen würdigt. Sie knüpft an das Heimatfest vor 50 Jahren – welchen Entwicklung und welche umwälzenden Veränderungen in dieser geschichtlich kurzen Zeitspanne von fünf Jahrzehnten! – und an den Bau der Grundschule vor 75 Jahren an.
Es waren , alles in allem, festliche Tage, erfüllt mit frohem Leben, aber auch mit tiefem politischen Inhalt. Zeigten die Veranstaltungen doch das Erreichte und gleichzeitig die großen Ziele unserer friedlichen Politik des sozialistischen Aufbaues und der Freundschaft mit allen Völkern. Noch lange werden die Tage des Oschatzer Schul- und Heimatfestes in unsere Zeit leuchten.